Während vor 5 Jahren die Solar-Generatoren die absolute Ausnahme und hochwertige technische Geräte waren, gibt es inzwischen immer mehr billige Solar-Generatoren online zu kaufen. Aber auch große Handelsketten wie Netto springen leider auf den Trend auf.

Aktuell 27.01.23 bietet Netto einen Solargenerator für 449€ inkl. Solarpanel an. Dabei reitet der Discounter auf der Angst vor Blackout, vermeintlich sauberer Energie und Umweltbewusstsein.

In der Realität sind solche Geräte jedoch kaum zu nutzen und somit sehr dreckiger Elektroschrott.

Nachfolgend dazu im Detail am Beispiel des aktuellen Netto Angebots:
Das Gerät von Netto bietet 300 Watt Spitzenleistung und eine Kapazität von 296Wh (80.000mah). In den PR Artikeln steht, dass das Gerät fast alle Elektrogeräte mit Energie versorgen kann.

Das ist die erste Werbe-Lüge, da 300 Watt Dauerleistung sehr wenig ist und in der Praxis nur dafür reicht ein Notebook, ein paar Glühbirnen oder einen TV, Radio zu betreiben. Schon ein Gaming PC, ein Kühlschrank, ein Toaster, eine Kaffeemaschine oder gar ein Haarföhn können nicht betrieben werden, da diese viel mehr Anlaufleistung benötigen. Die geringe Akku-Speicherkapazität von 296 Wh, bedeutet weiterhin, dass z.B. ein Fernseher mit Wandlungsverlusten nur ca. 2,5 Stunden betrieben werden kann, bis der Netto-Solar-Generator komplett leer ist.

Netto hebt hervor, dass das Gerät 7 Anschlüsse hat 4 USB, Quickcharge und eine 12 Volt Buchse. Aber auch 12 Volt Geräte, wie (teure effiziente Kompressor-) Kühlboxen haben ca. 40-60 Watt Verbrauch, so dass der Solar-Generator nach 4-5 Stunden restlos leer wäre. Die günstigen thermoelektrischen Kühlboxen haben einen noch höheren Verbrauch, so das sich die Nutzungszeit noch mal verkürzen würde. Es ist also nicht möglich den Solar-Generator zu verwenden um eine Kühlbox mit Inhalt runter zu kühlen.

Aber das ist ja vermeintlich kein Problem, weil Netto gleich dazu im Preis ein 80 Watt Solar Panel verkauft um nachzuladen. Viele wissen nicht, dass die 80 Watt Nennleistung der Solarmodule nur bei 25 Grad Umgebungstemperatur bei 1000 Lumen Licht pro qm erreicht werden. Sobald die Sonne auf das Panel scheint, wird es jedoch warm/heiß und die Leistung sinkt. In der Praxis bringt ein Solarmodul ca. 50% der Nennleistung über den Tag bei Sonneneinstrahlung, somit sind realistisch 40 Watt pro Stunde möglich. Die Kombination reicht also nicht aus um eine effiziente Kompressorkühlbox mit 40-60 Watt Verbrauch über den Tag zu betreiben, da mehr entladen als geladen wird.

Am Ende ist diese günstige Powerstation nur eine große teure Powerbank, die ggf. genutzt werden kann um Handy oder Drohnen oder ein Notebook über den Tag nach zuladen. Den Aufwand das Solarmodul aufzustellen um die Powerstation zu laden kann man sich eigentlich auch sparen, da es mit den realen 40 Watt einen ganzen Tag dauern würde, die „Powerbank“ zu laden.

Powerbanks die am Netzstrom nachgeladen werden können, haben etwas weniger Kapazität, sind dafür viel leichter, viel günstiger und dürfen in Flugzeugen mit genommen werden (was mit der Netto Powerstation nicht möglich ist). Betrachtet man den Materialaufwand wäre eine Powerbank wesentlich ökologischer als ein 4,1 kg Powerstation mit kaum Leistung und Kapazität.

Da der Anwendungsbereich des Netto Solar-Generators so klein ist, werden die meisten Anwender es kaum verwenden, vergessen zu laden, so dass dieses Geräte schnell als Elektroschrott endet.

Da es in D. noch kein gutes Akku-Recycling gibt stellt das Gerät somit eine erhebliche Umweltbelastung da. Wir konnten bei Netto keine Angaben zur Batterie-Art finden, gehen jedoch davon aus das es sich um einen integrieren Li-Ionen Akku handelt, der ca. 500 Zyklen aushalten kann weniger als 80% der Energie zu Verfügung stehen.

Wir empfehlen bei Solar-Generatoren dringend sich vorher Gedanken über den Einsatzzweck zu machen und nicht auf vermeintliche Schnäppchen reinzufallen.

Solar-Generatoren machen unserer Meinung nach erst ab 500 Wh Sinn, für alles andere sind die kleineren Powerbanks viel geeigneter. Sollten Sie ernsthaft Blackoutvorsorge betreiben wollen, sind Geräte unter 1000Wh unbrauchbar. Erst mit Solar-Generatoren über 2000Wh lässt sich ein Stromausfall zu Hause für ein Paar Tage kompensieren. Wichtig ist auch auf eine hohe Solare-Inputleistung zu achten um den Generator insbesondere bei nicht optimalen Wetter wenigsten teilweise nachladen zu können.

Sorry für diesen negativ Beitrag, wir hoffen dass der Trend billige, leistungsarme Solargeneratoren mit kleinen Akkus an eine unwissende Zielgruppe zu verkaufen bald vorüber geht und nur langlebige Geräte mit LiFePo4 Technologie mit 3000 Zyklen und 10 Jahren und mehr Lebensdauer sich am Markt durchsetzen. Betrachtet man die lange Lebensdauer, die vielfältige Nutzbarkeit – sind die hochwertigen teuren Solar-Generatoren wesentlich günstiger bezogen auf die potentielle Nutzungszeit.

Und noch ein Hinweis, denn wir nicht müde werden zu sagen. Geld sparen kann man mit Solar-Generatoren und kompakten Solarmodulen nicht. Die kompakten tragbaren Geräte sind bezogen auf die Speicherkapazität viel zu teuer um jemals eine Kostendeckung zu erreichen, selbst wenn sich der Strompreis noch verdoppeln würde. Diese Geräte sind nur geeignet für Komfort beim Camping auf dem Boot oder für die kurzzeitige Stromausfallvorsorge – Nicht zum Geld sparen oder vermeintlichen ökologischem Handeln.

Fragen und Feedback beantworten wir gerne in den Kommentaren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert