Erst heute erreichte uns wieder eine Werbemail von Ecoflow mit dem Inhalt:

„Egal, ob Sie Stromrechnungen ausgleichen, Ihre Haushaltsgeräte am Laufen halten oder warm bleiben möchten, haben wir zuverlässige, preiswerte Lösungen, die Sie in diesem Winter mit Strom versorgen werden.“

Worauf uns dann immer zahlreiche Anrufe und Nachrichten erreichen.
Prinzipiell halten wir es für falsch solche Aussagen zu treffen. Die Solargeneratoren sind bezogen auf die geringe Kapazität sehr teure Geräte, überwiegend aus Computerelektronik bestehend und haben entsprechende Verschleißteile, wie Akku, Lüfter oder andere thermisch belastete Bauteile, welche nicht unendlich halten.

Der Anschaffungspreises von einer Powerstation (z.B. Ecoflow Delta 2) mit z.B. 1000 WH Speicher und 400 Watt Solarmodulen liegt schnell über 2000€.

Zum Vergleich 4000 kWh (Kilowattstunden) braucht ein 4 köpfiger Haushalt im Durchschnitt pro Jahr an elektrischer Energie. Mit den erhöhten Strompreisen von aktuell ca. 45 Cent sind das ca. 1600€ Stromkosten pro Jahr.

Eine kleine Powerstation mit 1kWh Speicherkapazität und ca. 500 Watt möglicher solarer Nachladung wie die Delta 2, schafft es aber nicht so viel Energie zu speichern, dass ein 4 köpfiger Haushalt versorgt werden kann. Mit elektrischem Kochen, Fernsehen und Haare föhnen ist es selbst für eine Person im Sommer kaum möglich im Haushalt mit der gespeicherten Energie auszukommen. (Da diese mit 2-3 KW mehr als das dreifache der Speicherkapazität eines 1000WH Solargenerators verbraucht.) Erfolgt der Verbrauch auch nach Sonnenuntergang (Licht, Kochen, Fernsehen…) ist es bei widrigem Wetter nahezu unmöglich diese Energie mit einem tragbaren Solargenerator bereit zu stellen.

Die LiFePo4 Akkutechnologie soll nach Norm ca. 3000 Zyklen halten bis noch 80% der Kapazität zur Verfügung stehen (der Akku nach Norm als verschlissen gilt), was ungefähr 8 Jahren bei täglicher Nutzung entspricht. Da aber noch weitere elektronische (teils hochbelastete) Komponenten verschleißen und die Powerstations auch Staub, Stößen und Feuchtigkeit ausgesetzt sind, ist es eher unwahrscheinlich, dass die kompakten (meist schwer zu reparierenden) Geräte bei täglicher Nutzung eine 8 Jährige Lebensdauer erreichen. (Die Geräte sind noch zu neu um derartige Aussagen statistisch belegen zu können.)

Von daher betrachten wir Powerstations als reines Luxuscamping- oder Notfallprodukt, was überall elektrische Energie bereitstellen und bei solarer Ladung auch elektrische Energie sparen kann, aber kein (Strom-) Geld spart.

Der oft beworbenen Umweltaspekt
Die Gesamtökobilanz (Herstellung, Nutzung und Entsorgung) der Solar-Generatoren mit ihren großen Akkus, Kunststoffgehäusen und verbauter Elektronik ist (aktuell) auch nicht so positiv und grün wie es gerne von den Herstellern dargestellt wird. (Zwar enthält eine Powerstation viele wertvolle Rohstoffe und Komponenten die recycelt und wieder verwendet werden könnten, jedoch gibt es derzeit kein separates Rücknahmesystem für diese Produkte (von Herstellerseite), so das Powerstations wie anderer Elektronikschrott aus Unkenntnis nur grob wiederverwertet werden.) Auch eine Reparatur nach der Garantiezeit ist aktuell bei den meisten Powerstations noch sehr vage, da viele günstige Powerstations kompakt gebaut und geklebt sind, so das eine Reparatur aufwendig ist. Auf Grund der permanenten großen gespeicherten Energiemenge, der hohen Spannung und bei Fehlfunktionen der erheblichen Feuergefahr (Siehe youtube brennende Li-Ionen Akkus) ist Laien von der Reparatur dieser Geräte dringend abzuraten.

Von daher sind wir bestrebt mit ehrlicher Beratung für unsere Kunden das passende Gerät rauszusuchen, wohlwissend das ein unpassender Solargenerator am Ende nur schneller zu Elektroschrott wird.

Am Greenwashing und Geldspar-Mythos möchten wir uns nicht beteiligen.
Wir bedauern, dass der innovative Qualitätsanbieter Ecoflow es scheinbar für nötig hält so werben zu müssen.

Ähnlich verhält es sich mit dem Vergleich einer Powerstation mit Modul zu mit einem klassischen Balkonkraftwerk (auch in einer Ecoflow Werbung). Ein Balkonkraftwerk kann, sofern bei Sonnenschein regelmäßig elektrische Geräte ab ca. 300 Watt genutzt, werden zur Einsparung von teurem Netzstrom beitragen und so die Stromrechnung reduzieren. So dass es sich je nach Wetter, Nutzung (tagsüber) und Anschaffungspreis ein BKW sich nach ca. 5 Jahren rechnen kann. Eine vergleichbare Powerstation mit Modulen hat den 2-3 fachen Anschaffungspreis und durch die erwähnten Verschleißteile und elektronische Komplexität eine geringere Lebensdauer als ein Balkonkraftwerk und wird so vermutlich nur in seltenen Fällen je eine Kostendeckung erreichen. Sofern man jedoch über ein Balkonkraftwerk und eine entsprechend leistungsfähige Powerstation verfügt kann eine Kopplung der beiden Geräte dazu beitragen, auch den abendlichen Stromverbrauch zu senken und so zusätzlich Strom-Geld gespart werden. Eine extra Anschaffung zum Stromsparen lohnt sich bei den derzeitigen hohen Strom- aber auch Powerstation- Preisen jedoch nicht. Für welche Nutzer und Anwendungsszenarien (außer dem Outdoor-Betrieb), eine Powerstation sinnvoll ist, haben wir hier geschildert.

Fragen und andere Meinungen zu diesem Beitrag gerne in den Kommentaren.



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